Wann schlüpft das erste Küken?

Wann schlüpft das erste Küken?

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,
nun wird es langsam spannend. Der Schlupf des ersten Kükens kann jederzeit beginnen.

Obwohl das zweite Uhuweibchen immer wieder etwas Unruhe in das Brutgeschehen brachte, sollten das Gelege Lottes gelegentliche oder erzwungene Abwesenheit doch gut überstanden haben. Am späten Samstagabend konnten wir erstmalig ein Piepsen aus einem der Eier hören. Auch scheint eine Schale schon angepickt zu sein.

Die innerartliche Konkurrenz kann bei manchen Tierarten, die wie Uhus am Ende der Nahrungskette stehen, die Reproduktion reduzieren. In den besonders attraktiven Lebensräumen der Dichtezentren können nachdrängende revierlose Tiere den Brutablauf der Alteingesessenen empfindlich stören. Die Auseinandersetzungen zwischen den Artgenossen können dabei auch „handgreiflich“ werden und sogar tödlich enden. Bei Uhus haben wir dies schon beobachten können. Und brütende Wanderfalken können von störenden Falken derart oft zum Verlassen der Gelege veranlasst werden, dass es letztlich keinen Bruterfolg gibt. Ansatzweise gab es solche Vorkommnisse auch bei Lotte: In einer Nacht mit Besuch eines fremden Weibchens verließ Lotte das Gelege elfmal. Häufiger als wir es jemals zuvor registriert haben. Mit 42 Minuten war die längste Abwesenheit jedoch nicht länger als wir es in anderen Jahren schon beobachten konnten.

Ungewöhnlich war hingegen eine Paarung zwischen Leo und Lotte noch in der dritten Woche nach Brutbeginn. Könnte dies Lottes Reaktion auf die Konkurrentin sein? Stärkt sie so die Paarbindung? Macht sie so der Konkurrentin und Leo ihren Anspruch auf den Brutpartner und das gemeinsame Revier deutlich?

Die meisten Uhupaare in der Eifel haben mit der Brut begonnen. In vier Fünftel der uns bekannten Reviere konnten wir brütende Uhus beobachten; es könnte hinsichtlich der Jungenanzahl ein ähnlich gutes Jahr werden wie 2015. Die Mäusebestände sind vielerorts hoch. Falls das Frühjahr nun durchstartet, haben die Uhus gute Chancen ihren Nachwuchs ausreichend mit Nahrung versorgen zu können.
Warten wir es ab.

Ich wünsche Ihnen spannende Beobachtungen für die nächsten Tage.

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.


Das dritte Ei

Das dritte Ei

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

heute Mittag legte Lotte nun doch noch ihr drittes Ei. Unserer Erfahrung nach ist die Nahrung in Lottes und Leos Revier begrenzt. So gesehen sprechen drei Eier für eine eher optimistische Familienplanung. Wie wir im vergangenen Jahr beobachten konnten, kann jedoch auch ein Ei zu Schaden kommen. Vielleicht hat Lotte instinktiv und vorsichtshalber ein Ei mehr gelegt. Auch wenn sie ein drittes Küken vielleicht nicht wird durchbringen können?

Lotte brütet zwar erst seit einer Woche, aber schon in dieser kurzen Zeit fehlte es nicht an Gefahren: Mehrfach tauchte ein fremdes Uhuweibchen am Brutfelsen auf. Lotte verließ daraufhin ihr Gelege, um ihr Hausrecht zu verteidigen. Nach einem Ruf-Duell kam Lotte mit etwas gesträubtem Gefieder und einer das Gelege beschützenden Körpersprache zurück in die Brutnische. Möglicherweise war auch ein zweites Männchen am Felsen.

 

Was ist mit den Nachbarn?

Bei meinen Kontrollen der anderen Uhubrutplätze an der Ahr konnte ich schon vor zwei Wochen brütende Uhus feststellen. Das Nachbarpaar ahrabwärts brütet jedoch bis heute nicht. Dort fehlt von Uhus jede Spur. Keine Beutetierreste, kein „Uhuschiss“; es sieht so aus, als wäre das Revier verwaist.

Ein Zusammenhang mit den Fremduhus in Nähe der Webcam wäre durchaus logisch: Wenn ein Paar aus der unmittelbaren Nachbarschaft verschwindet, gerät das traditionelle Gefüge zwischen benachbarten Paaren ins Wanken. Es ist die Chance für Neuankömmlinge. Sie bemerken einen Freiraum zwischen den verbliebenen etablierten Paaren und testen auf der Suche nach den besten Brutplätzen ihre Möglichkeiten aus. Dabei ist eine gewaltsame Übernahme des Revieres von Lotte und Leo aber unwahrscheinlich, weil ja nun ein vermutlich freies Revier angrenzt.

Uns wurde bisher kein toter Uhu in der Gegend gemeldet. Daher kennen wir die Ursache für das Verschwinden des Nachbarpaares nicht. Oder war ich bei der Suche nach den Nachbarn nur nicht gründlich genug? Warten wir es ab.

Unseren Uhus wünsche ich den baldigen Einzug des Frühlings, damit es zur Jungenaufzucht ausreichend Nahrung gibt. Und Ihnen, liebe Uhufreundinnen und -freunde wünsche ich viel Vergnügen beim Zusehen. Apropos Zusehen: Glücklicherweise konnten wir einen zweiten Sponsoren finden, der die Aufrechterhaltung der Cam fördert: Die „EifelStiftung“ unterstützt die Uhuwebcam in diesem Jahr! Vielen, vielen Dank dafür!!

 

Ihr

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

 


Intensive Balz im Frost

Intensive Balz im Frost

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

die Balz unserer Uhus war schon in den frostigen Tagen im Februar intensiv. Lottes Bettelrufe dienen der Familienplanung nach dem Motto: „Hey, zeig doch mal wie viel Nahrung du in diesem Frühjahr organisieren kannst, dann weiß ich, wie viele Eier ich legen soll“. Auch Kopulationen konnten wir schon sehen oder anhand des charakteristischen Gezwitschers auch akustisch registrieren. Die nun deutlich milderen Temperaturen sollten der Balz zusätzlichen Schwung geben. Wenn kein erneuter starker Witterungseinbruch das Ahrtal heimsucht, ist eine Eiablage zum traditionellen Zeitpunkt Mitte März noch gut möglich. Warten wir es ab.

Gerne möchte ich Sie auf eine Fernsehsendung am kommenden Sonntag, den 21.02.2021, 19.30 hinweisen: die arte Geo- Reportage „Die Eifel und ihre Eulenhüter“. Darin wird über unsere Arbeit im Eulenschutz berichtet. Es gibt danach auch Wiederholungen in einer etwas längeren Fassung.

Hier bereits vorab in der Mediathek:
https://www.arte.tv/de/videos/092983-018-A/geo-reportage/

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Spätwinter und uns allen fallende Inzidenzwerte

Ihr Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.


Balz bei Schnee und Eis

Balz bei Schnee und Eis

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

selbst bei Schnee und Eis waren unsere Uhus in den vergangenen Wochen mit der Balz beschäftigt. Der Brutfelsen scheint nun schon im siebten Jahr von denselben Partnern besiedelt zu sein. Leo kommt ins siebte und Lotte mindestens ins zwölfte Lebensjahr; beide sind noch „gut dabei“ .

Wie wir auf einem Video vom 06.01.2021 sehen können, ist auch der Marder wieder am Brutfelsen präsent. Ob sich der potentielle Eierdieb nochmals an das Uhunest wagt? Die Füchse waren nur etwas weiter entfernt zu hören; sie haben sich länger nicht mehr direkt vor der Cam sehen lassen. Das Blickfeld der Cam ist wieder gut beleuchtet, sodass wir uns auf schöne Beobachtungen freuen können. Leo scharrte am 02.01.2021 ja auch schon gut beleuchtet in der traditionellen Brutnische. Ich hoffe, dies ist ein Zeichen für eine erneute Nutzung an dieser Stelle.

Zum Schutz der anderen Eifeluhus sind wir auch im Januar aktiv. Es gilt mit Steinbruchbetreibern vor Beginn der bald beginnenden Brutsaison Absprachen für den Schutz der Brutnischen zu treffen. An manchen Stellen werden noch kurzfristig Brutnischen angelegt, um den Uhus eine sichere Brut abseits des Abbaubetriebs zu ermöglichen. Ein Gebäudebrutplatz auf einem Brückenpfeiler ist im vergangenen Jahr bei Instandhaltungsarbeiten unbrauchbar geworden. Wir haben ihn wieder hergerichtet.

Auch zum Schutz der Steinkäuze ruht die EGE im Winter nicht. Nistkästen werden instandgesetzt oder ausgetauscht und neue Standorte für Nistkästen erkundet. Auch die Organisation der Beweidung des Grünlandes und Baumpflegemaßnahmen können bei Schnee und Graupelschauern erledigt werden.

Hoffen wir auf ein gutes Mäuse- und Eulenjahr!

Herzliche Grüße

Ihr

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

 


Die Tage werden kürzer: Herbstbalz

Die Tage werden kürzer: Herbstbalz

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

zunächst hatten wir nur akustische Hinweise auf das Überleben beider Junguhus. Es dauerte lange, bis dann endlich auch bildlich eindeutig die Existenz der beiden belegt war. Wie die Videos zeigen, hat es – trotz aller Befürchtungen – auch „der Kleine“ geschafft. Auch heute, am 28.09.2020, sind  beide Jungvögel noch im Bereich um die Cam zu sehen oder zu hören. Sie haben eine sehr kritische Phase überstanden und stehen nun kurz von dem Verlassen des elterlichen Revieres. Lottes Verhalten ihnen gegenüber wird rauer, denn für das Elternpaar steht die Herbstbalz bevor. Junguhus sind dabei als Zaungäste nicht gut gelitten. So also ist die Lage.

Ich bekam einige Zuschriften, in denen die nächtlich sehr schlechte Bildqualität hinterfragt wurde. Die Ursache sind defekte Scheinwerfer. Daher steht wieder eine Klettertour an, um die betreffenden Infrarotlampen auszutauschen.

Die Besucherzahlen in den vergangenen 12 Monaten sind mit 1.300.000 geradezu „astronomisch“, was sicherlich auch eine Begleiterscheinung des Corona-Lockdowns war. Für die Spendenbereitschaft auch neuer Zuseher danke ich sehr. Auch erhielten wir eine erneute Zusage für eine Förderung der Cam seitens der Brigitte und Dr. Konstanze Wegener Stiftung, wofür wir ebenfalls sehr dankbar sind. Allerdings ist die Fördersumme um die Hälfte geringer als in den Vorjahren. So suchen wir nun einen zweiten Hauptsponsoren. Falls Ihnen, liebe Zuseher, Firmen oder andere Institutionen als geeignet erscheinen, fragen Sie doch bitte dort nach oder geben Sie uns bitte Nachricht, wenn sich hier eine Kooperationsmöglichkeit ergeben könnte. Zum Erhalt der Cam brauche ich jede Unterstützung.

Die Routinearbeit zum Schutz der Eifeluhus läuft indessen weiter:
Statistik führen, Absprachen mit Abbauunternehmen zum Schutz der Brutnischen treffen, Naturschutzbehörden wegen des  unzureichenden Schutzes von Uhubrutplätzen vor Geocachern, Kletterern und gebietsfremden Mufflonherden kontaktieren, illegale Müllentsorgung in Schutzgebieten melden. Das sind nur einige Stichworte aus der Alltagsarbeit. Es gibt zu jeder Zeit viel zu tun. Auch im Herbst.

Die Tage werden kürzer. Machen Sie bitte das Beste daraus. So wünsche ich Ihnen schöne Beobachtungen von Uhus bei der Herbstbalz.

Ihr

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.