Kalte Tage, wenig Beute

Kalte Tage, wenig Beute

Liebe Uhufreundinnen und –freunde,

nach Phasen mit ausreichender Nahrungsversorgung war es in der vergangenen Woche recht knapp. Zwar bekam jeder Junguhu in jeder Nacht etwas zu fressen (Ausnahmen war die Nacht 4. auf 5. Mai.). Die Futtermengen jedoch ließen sehr zu wünschen übrig. Als Messlatte für die Abschätzung, wann die Küken ernsthaft in Lebensgefahr geraten könnten, haben wir zwei Ereignisse in der Vergangenheit beobachtet: 1. Vierwöchige Junguhus haben fünf Tage und Nächte ohne Nahrung überlebt, waren zuvor jedoch gut genährt. 2. Ein ca. 14tägiges Küken verhungerte nach zwei Tagen und Nächten ohne Nahrung.

Als Fazit aus diesen Beobachtungen bin ich bemüht, den Uhus unter die Flügel zu greifen, wenn es nach meiner Einschätzung wirklich knapp wird. Knapp wie am heutigen Sonntag (5. Mai). Ich befürchte eine nahezu lebensgefährliche Situation für Küken 2, sofern es in der kommenden Nacht nichts bekommen würde. Daher habe ich heute bei der Nachbarin eine Mikrowelle geliehen, zwei Bisamratten schnell aufgetaut und bin am Nachmittag zum Felsen an die Ahr gefahren. Bisamratte 1 legte ich auf die Felsrippe, die auch den Uhus als Beuteübergabeplatz dient. Aus dem Augenwinkel sah ich Lotte in der Felswand sitzen, schaute sie aber nicht direkt an. Mit Bisamratte 2 machte ich mich dann auf in Richtung Uhunest. Bei Nässe ist das nicht gesicherte Hinaufklettern so eine Sache, daher wollte ich nur bis unter das Nest klettern und die letzten acht Höhenmeter durch Bisamwurf überbrücken. Der erste Versuch schlug fehl, die Bisamratte folgte alsbald der Schwerkraft, aber ich konnte erahnen, wo sie landete. Ich stieg also wieder hinunter und barg das kostbare Lebensmittel, um es erneut zu versuchen. Dieses Mal wagte ich mich für den Wurf noch zwei Meter höher und versuchte es erneut. Die Bisamratte blieb nur kurz im Nestbereich liegen, rollte und stürzte die Felswand hinab. Unauffindbar.

Wieder zuhause angekommen zeigt der Blick auf den Bildschirm nur ein schwarzes Quadrat. Die Cam zeigt kein Livebild. Ursache unbekannt. Nach dem Telefonat mit Christian Giese ist zumindest klar, dass vor Ort technisch alles ok ist. Das Problem liegt beim Server, ein Mitarbeiter von Pixtura fährt (heute am Sonntag!) zum Betrieb um die Störung zu beheben. Danach läuft die Cam wieder. Nun endlich kann ich sehen, wie die Uhus auf meine Hilfsversuche reagieren. Lotte sitzt wieder bei den Jungen und ihr Blick hat eindeutig das gewisse Etwas von Beutemachen. Sie schaut zum Grat und betrachtet „meine“ Ratte. Hoffentlich traut sie sich bald dorthin, um das ständig bettelnde Küken 2 endlich zu versorgen. Aber sie zögert noch, traut sich bei Helligkeit nicht dorthin, dort wo eben noch dieses Monster mit der Bisamratte hantierte.

Endlich, eine halbe Stunde später bringt Lotte die Bisamratte ins Nest, und die Uhuküken sind derart aus dem Häuschen, dass sie vor Aufregung kaum in der Lage sind, gezielt Brocken aus dem Schnabel der Mutter zu nehmen. Jetzt bin ich doch zufrieden mit meiner Aktion. Zwar hatte sich mein Körper nach sechs Tagen Uhuberingung in Folge auf eine Ruhepause gefreut, aber wer A wie Webcam sagt, muss auch B „im Notfall immer bereit“ sein.

Im Laufe dieser Woche werden unsere Junguhus 28 Tage alt. Daher rückt ihre Beringung näher. Ich plane sie für Samstag, den 11.Mai um 18:00 Uhr.

 

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.


Fressen. Fressen. Fressen.

Fressen. Fressen. Fressen.

Liebe Uhufreundinnen und –freunde,

zu Ostern hatte unsere Uhufamilie alles was sie brauchte. Noch von Dienstag den 16. bis Mittwoch den 17.4. war es knapp mit der Nahrungsversorgung, und erst ein Eichhörnchen am Mittwochmorgen beendete einen 36stündigen Engpass. In der Nacht auf Donnerstag und auch am Donnerstagabend erbeuteten die Uhus jeweils ein Kaninchen. So war für einige Tage bestens gesorgt. Eines der Kaninchen könnte auch Lotte selbst schon erbeutet haben, zumindest hatte sie ihre Küken für 20 Minuten alleine gelassen bevor sie mit der Beute zum Nest zurückkehrte. Über Ostern wurden zusätzlich noch Mäuse, ein Gartenschläfer, eine Ratte und Vögel in Eichelhähergröße erbeutet. Von Mangel keine Spur.

Die Küken können sich ihrer Hauptaufgabe widmen: Fressen. Fressen. Fressen. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viel in die Winzlinge hineinpasst. Küken Eins hatte schon am Donnerstag leicht geöffnete Augen. Und Küken Zwei erblickte das Licht der Welt entsprechend später. Beide Küken wirken gesund und kräftig; inzwischen vermögen beide gleichermaßen gut Futterbröckchen entgegen zu nehmen, auch eine Maus im Ganzen wurde schon verschluckt.

Kaninchen sind für Uhus die ideale Beute, deren Gewicht genau der für einen sicheren Transport möglichen „Zuladung“ eines Uhus entspricht. Aufgrund menschlicher Einflüsse (durch Menschen hergestellte und durch Menschen eingeschleppte Seuchen) waren die Kaninchenbestände in der ganzen Region für viele Jahre zusammengebrochen. Nur an wenigen Stellen   hatten sich Restpopulationen gehalten. Im Bereich unserer Uhus an der Ahr konnte ich auch schon im vergangenen Jahr schon mal wieder Kaninchen beobachten. Vielleicht baut sich langsam wieder ein Kaninchenbestand auf. Ob dauerhaft, bleibt abzuwarten.

Ich wünsche ich allen Zusehern weiterhin schöne Beobachtungen vieler Fütterungen

 

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

 


Das zweite Küken geschlüpft

Das zweite Küken geschlüpft

Liebe Uhufreundinnen und –freunde,

zwischenzeitlich ist bereits das zweite Küken geschlüpft. Die Herausforderungen der ersten Fütterungen wurden bewältigt, und es scheint alles glatt zu laufen in der Uhufamilie.

Erstmalig können wir während der Jungenaufzucht ein zweites Uhuweibchen am Brutfelsen nachweisen. Noch hält es diskret Abstand zur Nistmulde. Wird es sich später, wenn Lotte die Küken länger alleine lässt, an das Nest wagen? Wird Lotte dieses Weibchen längerfristig dulden oder sie später doch vertreiben?  Aktuell kann sich Lotte auf keinerlei „Spielchen“ einlassen. Der Schutz der Küken hat Priorität…

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Brücher
Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.

 


Bald das erste Küken?

Bald das erste Küken?

Liebe Uhufreundinnen und -freunde,

den Schlupftermin der Küken werden wir wohl nicht ganz genau berechnen können. Meine „Brutbeginnmeldung“ vom 7.3. war vermutlich etwas zu optimistisch.

Lotte hatte zu diesem Zeitpunkt zwar gepresst, aber das Ei wurde wohl eher erst am nächsten Tag gelegt. Auch am 8.3. saß Lotte manchmal mehr aufrecht, als dass sie wirklich liegend die volle Körperwärme an das erste Ei hätte übertragen können. Ausgehend von 35 Tagen bis zum Schlupf können wir also ab Donnerstag (11.04.) auf das ersten Küken hoffen. Mit etwas Glück kann es uns gelingen auch schon vor dem Schlupf ein Piepsen aus den Eiern zu hören. Wir können gespannt sein.

Wie auch in den vergangenen Jahren liegt der Brutbeginn der Uhus in der Region zeitlich weit auseinander. Am vergangenen Dienstag konnte ich die ersten schon 4,5 Wochen alten Junguhus im milden Rheintal bei Bonn beringen. Im Vergleich mit diesem Brutpaar haben andere erst sieben Wochen später mit der Brut begonnen.

Allgemein scheint die Nahrungsverfügbarkeit für die Eifeluhus deutlich besser zu sein als im Vorjahr. Vermutlich aus diesem Grunde haben sich 2019 viel mehr Paare zur Brut entschlossen. Sollte ich mit dieser Deutung der Vorzeichen richtig liegen, können wir auf eine etwas entspanntere Jungenaufzucht vor der Webcam als noch in 2017 hoffen. Ein Bangen um das mögliche Verhungern der Uhuküken wird uns, so hoffe ich, erspart bleiben. Zudem: Leo erbeutete in diesem Frühjahr deutlich häufiger auch Vögel. Sein Vermögen, die Uhufamilie mit Nahrung zu versorgen, ist größer geworden .

Die nächsten 10 Tage werden in jedem Falle sehr spannend…

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Stefan Brücher


Herausforderungen

Herausforderungen

Liebe Uhufreundinnen und- Freunde,

oberflächlich betrachtet könnte uns Lottes Brutzeit als eher langweilig und ohne besondere Ereignisse erscheinen. Wann immer wir auf die Web-Cam klicken, sitzt Lotte fast regungslos auf ihren (anscheinend immer noch zwei) Eiern. Aber dieser Anschein trügt:

In den vergangenen Nächten gab es Momente, in denen Lotte Ungewöhnliches im Focus hatte und konzentriert beobachtete. Sehr engagiert flog sie dann in diese Richtung und kam einige Minuten später zurück. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten konnten wir in der Nacht auf den 19.3. ausmachen. Zunächst war in größerer Entfernung der Ruf eines weiblichen Uhus zu hören, dann ein für Weibchen charakteristischer Bettelruf, der von einem den Brutplatz überfliegenden Uhu ausging (siehe Video).

Es gibt also Konkurrenz am Brutfelsen – und dies mitten in der Brutzeit. Lottes Job ist es nun, die beste Mischung aus energischem Verteidigen des Revieres und gleichzeitig fast lückenlosem Bebrüten der Eier zu finden. Bei anderen Vogelarten sind ins Brutrevier eindringende Konkurrenten durchaus Ursache für missglückte Bruten. Für Uhus konnten wir derartiges jedoch noch nicht nachweisen. Wir wissen nicht, ob es auch bei Uhus vorkommt.

In der vergangenen Nacht waren die Eier aus einem anderen Grund in ernster Gefahr:
Auf einem Videoausschnitt können wir sehen, wie Lotte das Nest aus für uns zunächst nicht ersichtlichen Gründen verlässt. Kurze Zeit später hören wir tumultartige Geräusche im Bereich oberhalb der Brutnische und sehen wie sich Lotte plötzlich schützend und zugleich drohgebärdend von oben in die Nistmulde stürzt – verfolgt  von leuchtend reflektierenden Augen, vermutlich die eines Fuchses.

Es scheint alles noch einmal gutgegangen zu sein. Die Unversehrtheit der Eier können wir nur vermuten, nach mehrmaligem Betrachten der Filmsequenz nehme ich an, dass Lotte zumindest neben und nicht auf den Eiern gelandet ist. Hoffentlich haben keine der im Flügelgemenge herabgefallenen Steinchen die Eier beschädigt.

Die Anwesenheit von Füchsen in unmittelbarer Nähe zum Uhunest ist uns ja lange bekannt. Auch schon vor Installation der Webcam konnte ich, nur zwei bis drei Meter oberhalb des Uhunestes, einen schlafenden Fuchs oder zumindest dessen Ohren mit dem Fernrohr ausmachen. Es gibt dort im Fels anscheinend ein schon traditionelles und Jahrzehnte altes Nebeneinander von Uhu und Fuchs ohne nachgewiesene Verluste bei den Uhus. Ob manche der vielen vom Uhupaar erbeuteten Fuchswelpen aus diesem benachbarten Bau stammen, wissen wir nicht.

Nach meinem Eindruck scheint der am gestrigen Schlagabtausch beteiligte Fuchs eher ein jüngerer Fuchs zu sein. Allein die Tatsache, dass er versucht war, Lotte zu folgen statt einer frontalen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, spricht  für ein eher noch unerfahrenes Tier. Es könnte sich gut um jenen unbedarften Jungfuchs handeln, den Lotte im Nestbereich  vor einigen Monaten fast erlegt hatte (siehe Video).

Auch damals hatte er den Ernst der Situation wohl nicht begriffen. Dabei hatte der Fuchs mehr Glück als Verstand: Lotte zielte mit beiden Füßen eindeutig auf den Kopf des Fuchses. Nur durch Zufall drehte der Fuchs seinen Kopf  kurz zur Seite, so dass der Fuchs nur zur Seite geschubst wurde. Die Ursache für den Rempler hatte er wohl nicht zuordnen können, weil Lotte schon wieder außer Sicht war. Ihm war es nur ein wenig unheimlich und er trollte sich vorsichtshalber davon. Wäre Lotte damals erfolgreich gewesen, wäre ihr die gestrige Begegnung erspart geblieben.

Auch die stürmischen Tage der noch kurzen Brutzeit hätten einen Bruterfolg vereiteln können. Der starke Wind hat das auch die Füchse schützende Efeugebüsch oberhalb des Nestes so stark gebeutelt, dass sich ein Steinbrocken löste und neben Lotte einschlug. Aber auch das ist noch einmal gutgegangen.(siehe Video)

 

Nahrung

Leo schafft es offenbar ganz gut, die brütende Lotte mit Nahrung zu versorgen. Ob er neue Nahrungsquellen gefunden hat oder sich einfach nur geschickter anstellt, können wir nicht beurteilen. Er trägt jedenfalls regelmäßig Beute herbei: Drosseln (vermutlich Singdrosseln), Tauben, Mäuse und auch mindestens eine Ratte konnten wir bestimmen. Andere, meist kleinere Happen, verschlang Lotte manchmal derart schnell, dass eine Bestimmung nicht möglich war (siehe Video).

 

Eier

Unsere zu Beginn freie Sicht auf die Eier versperrte Lotte zwischenzeitlich. Wann immer sie brütend ein Gewölle ausspie, benutze sie es für einen kleinen Wall vor der Brutmulde (siehe Video).

 

Hoffentlich geht auch weiterhin alles gut…

Ihr Stefan Brücher